Verwendungsanlässe

Was uns am Herzen liegt

Schenken ist zwischenmenschliche Kommunikation, ein uraltes Gesellschaftsspiel um Liebe, Glück und Macht. Im besten Fall kann ein Geschenk uns ein Leben lang begleiten. Wenn wir ein paar einfache Regeln beachten.

Von Eva Book und Sabrina Waffenschmidt

»Ein Geschenk ist genauso viel wert wie die ­Liebe, mit der es ausgesucht worden ist.« 
Thyde Monnier, Schriftstellerin

Es tut gut, zu schenken. Und es tut gut, beschenkt zu werden. Mehr noch: Ohne Geschenke würde eine Gesellschaft gar nicht zustande kommen, schrieb der Soziologe Georg Simmel. Schenken ist etwas tief im Menschen Verwurzeltes, ein Überbleibsel des Verteilens von Gütern in Gemeinschaften, die von den Launen der Natur abhingen. Heute ist es zu einem Gesellschaftsspiel geworden, in dem sich die Spieler ihre Rolle selbst aussuchen können: vom Einfühlsamen über den Pflichtschenker oder Strategen bis hin zum Protzer. Schenken folgt bestimmten Spielregeln, die sich mit der Zeit verändern können, aber nirgends geschrieben stehen. Nur eines steht fest: Mitspielen muss man – ob man will oder nicht. Schenken ist deshalb immer auch Risiko. Schließlich kann ein Geschenk vieles sein: Liebesbezeugung oder Schlussstrich, Fessel oder Spiel, sinnlich oder peinlich. Und tausend Dinge mehr. Doch eines ist es immer: Kommunikation, wie der Soziologe Holger Schwaiger in seinem Buch „Schenken. Entwurf einer sozialen Morphologie aus Perspektive der Kommunikationstheorie“ ausführt. Ein Geschenk stelle eine Aussage in den Raum, auf die der Beschenkte reagieren müsse. Im Unterschied zum Gespräch hätten wir es aber nicht mit einem Wort zu tun, sondern mit einem Gegenstand. Dadurch ließe sich die Kommunikation nicht so leicht ignorieren. Schließlich möchte sich der Beschenkte erkannt sehen, während der Schenkende eine angemessene Wür­digung seines Geschenks erwartet. Keine Reaktion gibt es nicht. Genauso wenig gibt es ein Rezept für das perfekte Geschenk. Damit ein Geschenk gut ankommt, muss man sich in den anderen einfühlen, sich intensiv mit dem Gegenüber und der Beziehung zu ihm beschäftigen.

381 Euro geben die Deutschen durchschnittlich für Weihnachtsgeschenke aus.
Quelle: Research Now Gruppe, 2017

Ein Geschenk sollte immer die Persönlichkeit des Beschenkten wie auch des Schenkenden in sich tragen. Früher haben die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes etwas von sich gegeben: der Schmied sein schönstes Messer, der Töpfer sein feinstes Geschirr und der Tischler einen passgenauen Schrank. Heute erzählt ein Geschenk vielmehr eine Geschichte – und eine Menge über die Beziehung zwischen Schenkendem und Beschenktem. Im besten Fall wird ein Geschenk zu einem großen Moment zwischen zwei Menschen. Dann erzählt es dem Beschenkten davon, wie jemand heimlich über sein Glücklichsein nachgedacht hat. Dann knistert es. Es wird intim. Diese Geschenke bekommen häufig einen besonderen Platz und werden zum ewigen Lieblingsstück. Der materielle Wert spielt dabei keine Rolle.

»Man irrt, wenn man glaubt, dass Schenken eine leichte Sache sei.« 
Lucius Annaeus Seneca, Philosoph

Die Kunst des Schenkens

Zu bestimmten Anlässen muss man schenken. Aber mit ein wenig Fantasie ist es gar nicht so schwer, in guter ­Erinne­rung zu bleiben.

Weihnachten

Alle Jahre wieder ... siegt der Geschenke­stress über die besinnliche Weihnachtsstimmung. Aber warum eigentlich? Auch 2017 waren Gutscheine und Geld die beliebtesten Weihnachtsgeschenke in Europa. Doch ein schnöder Gutschein wird gleich viel persönlicher und langlebiger, wenn er nicht als im letzten Moment geschriebener Zettel daherkommt: Funkelnde Ohrringe laden die Freundin zur Partynacht ein, eine edle Duftkerze wird Symbol für den gemeinsamen Wellnesstag, in Highball-Gläsern steckt der Whisky-Tasting-Gutschein für den Bruder.

Geburtstag

Mit dem Geburtstag feiern wir einmal im Jahr einen ganz besonderen Menschen – dementsprechend steht die Person mit ihren individuellen Vorlieben im Fokus der Geschenkesuche. Je näher uns die Person steht, desto höher ist der Druck, sie zu erraten: Ist sie abenteuerlustig oder eher gemütlich? Macht sie gerne Sport oder ist sie ein Feinschmecker? Denkt sie praktisch, oder liebt sie unnütze, aber hübsche Kleinigkeiten? Und weil man auf jedes Lebensjahr gepflegt anstoßen sollte, ist eine besondere Flasche Wein, Gin oder Grappa immer willkommen.

Valentinstag

Den Tag der Verliebten brachten englische Auswanderer in die Vereinigten Staaten, von dort wanderte der Brauch durch die GIs nach Nachkriegsdeutschland. Nur langsam setzte sich der 14. Februar hierzulande als Geschenkanlass durch. Heute ist er aus dem Geschäft von Floristen, Parfümerien, Juwelieren und Süßwarenhändlern nicht mehr wegzudenken. Über die Hälfte der Konsumenten kauft für die Liebsten ein Valentinstags­geschenk, knapp 40 Prozent von ihnen geben bis zu 50 Euro aus.

Muttertag

Danke Mama! Wie sagt man das am schönsten? Blumen sind toll, leider auch vergänglich. Dieses Problem löst sich, wenn man ein bisschen weiterdenkt: Statt über frische Blumen darf sich die Mutter über einen gerahmten Print ihrer Lieblingsblumen freuen. Auf Papier halten selbst Orchideen und Kirschblütenzweige ewig. Und statt den Blumenboten vorbeizuschicken, können gute Töchter und Söhne auch mal selbst eine gefüllte Vase vor die Tür stellen. Die erinnert nämlich noch Jahre später an die Kinder.

Hochzeit

Wenn zwei Menschen den Bund fürs Leben eingehen, schmeißen sie gerne eine riesige Party. Falls Familie und Freunde für ein Geschenk zusammenlegen, kommen ordentliche Summen zusammen. Eine gute Investition sind tolle Möbelstücke, einzigartige Deko- und Kunstobjekte oder ein schlichtes Porzellan für das gemeinsame Zuhause. Wohlüberlegte Hochzeitsgeschenke werden oft über viele Generationen weitergegeben.

Geburt

Willkommen auf der Welt, kleiner Mensch! Mit einem Geschenk zur Geburt möchte man zwar das neue Baby begrüßen, aber auch den Eltern eine Freude machen. Und da für die Standardausrüstung von Strampler bis Mützchen schon gesorgt sein wird, kann sich der Schenkende ruhig auf Dinge konzentrieren, die den neuen Menschen ein Leben lang begleiten: ein Album für künftige Erinnerungen, ein Medaillon mit Gravur oder ein handgefertigtes Schaukelpferd.

Gastgeschenk

Ob schickes Dinner oder einfacher Kaffeeklatsch – mit leeren Händen vor der Tür des Gastgebers zu stehen, gehört sich nicht wirklich. Ein guter Likör zum Nachtisch oder als Schuss in den Kaffee ist ein schönes Mitbringsel. Aber auch witzige, praktische oder stylishe Küchenaccessoires drücken den Dank für die kulinarische Einladung aus.

Einzug

Noch sind die Wände leer und die Deko spärlich. Zum Einzug freuen sich die Gastgeber einer Einweihungsparty daher über Geschenke, die der neuen Wohnung einen persönlichen Touch verleihen: Strickplaids für die Couch, Hocker für unerwartete Gäste oder schöne Lampen und Kerzen­halter für das richtige Stimmungslicht. Die besonders schönen Stücke werden dann auch beim Auszug ins nächste Zuhause mitgenommen.

Trostpflaster

Die kleinen und großen Rückschläge im Leben sind kein Grund zum Feiern, aber trotzdem ein Anlass zum Schenken. Denn selbst kleine Aufmerksamkeiten schaffen es, dem Gegenüber an trüben Tagen ein Lächeln zu entlocken und lenken zumindest für einen Moment vom Gedankenkarussell ab. Dazu eignen sich Wohlfühlgeschenke, die die Sinne streicheln: ein buntes Kuschel­kissen, ein Talisman für die Jackentasche oder ein duftender Tee.

Papeterie

Paper & Friends

Die Tendence ist der perfekte Orderzeitpunkt für Kalender! Deshalb stehen Wandkalender im Fokus der neuen Ausstellerplattform Paper & Friends. Die Plattform bietet aber noch mehr: einen einmalig kuratierten Sortimentsmix aus Kalendern, Karten, Papeterie und Geschenkbüchern namhafter Marken sowie innovativer Newcomer. Einkäufer können sich außerdem von der puristisch-charmanten Präsentation für ihren eigenen Point of Sale inspirieren lassen. Konzipiert wurde die Plattform von Angelika Niestrath, die als Expertin für Zusatzsortimente und Wareninszenierung Einzelhändler, Verlage und Hersteller berät und unter anderem das Nonbook-Areal auf der Frankfurter Buchmesse ins Leben gerufen hat.

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